Neue Wege der kommunalen Kulturförderung in Dresden

Vorschlag für eine zusätzliche Förderung von „neuen“ Kulturprojekten und –initiativen, entwickelt von der Initiative KulturProzent, bestehend aus freien Trägern und Akteuren der Dresdner Kunst- und Kulturschaffenden.

DAS Kulturforum
Mittwoch, 18. April 2007. 19 Uhr
Geh 8, Gehestraße 8, Dresden-Pieschen


Wer schon mit dabei ist

Die Initiative Kulturprozent besteht aus:

Akaki e.V. Wie unser Motto ‘Entwicklung durch Bildung‘ erkennen lässt , haben wir uns vorrangig der Unterstützung des Schulwesens in Akaki Beseka verschrieben. Dies halten wir für den wichtigsten Ansatzpunkt, um eine nachhaltige Veränderung zu erzielen.
artderkultur e.V. Unser Schwerpunkt liegt auf der Förderung und Vernetzung regionaler Kunst und Kultur. Dies realisieren wir sowohl durch die Vernetzung lokaler Initiativen und Künstler, als auch durch eigene Kulturprojekte und -reihen, wie zum Beispiel dem FORUM:BUCH, der Super8-Filmnacht, diversen Lesungen und Konzerte.
AZ Conni e.V.
Baikalplan e.V.
Beatzentrale
Blaue Fabrik e.V.
BüchersBest
Deutsch-Bulgarische-Gesellschaft
Doppel DE
Dresdner Stadtmusikanten e.V.
Freiraum 05
geh8 - Ateliergemeinschaft
idee01239
Kultur Aktiv e.V. Der Verein Kultur Aktiv verfolgt laut Satzung den Zweck, die Zusammenarbeit zwischen deutschen und ausländischen Künstlern in allen Bereichen der Kunst zu fördern. Ein wichtiger Teil unserer Arbeit besteht darin, Konzerte, Auftritte oder Ausstellungen für Bands, Theatergruppen, Performancekünstler oder Schriftsteller zu organisieren bzw. zu vermitteln.
Kulturbüro Dresden Die Beratung von Vereinen und Initiativen ist die Hauptaufgabe des Kulturbüro Dresden. Die kooperative Zusammenarbeit mit Vertretern des Jugend- und Kulturamtes der Landeshauptstadt Dresden aber auch mit den Verwaltungseinrichtungen des Freistaates Sachsen sind ein unabdingbarer Baustein dieser Beratungstätigkeit.
Kunsthofbuchhandlung
Kunstraum Dresden
Lumopol Lumopol arbeitet mit Räumen und Orten und lässt diese in einem anderen Licht erscheinen. Durch Veränderung der Wahrnehmung eröffnen sich neue Sichtweisen und Interpretationsmöglichkeiten. Dabei ist Licht wesentliches Instrument der Auseinandersetzung.
magazin Randlos
Mallokal e.V.
Maulkorb e.V. Der Literaturverein Maulkorb e.V. wurde am 27.8.2007 gegründet und ist Herausgeber einer 4 x jährlich erscheinenden Zeitschrift für Literatur(Der Maulkorb), er organisiert Lesungen und plant für die Zukunft weitere Projekte.
Outlaw gGmbH
Paregoric Art Orchestra
Rundkino erhalten e.V.
shot AG
Skull Crusher
Soziologische Praxis
St. Petersburg e.V.
Treibhaus e.V.
Umsonstladen
Urban Script
...und Einzelpersonen A.H./G.K./M.H./S.H./S.T./K.W./K.L./A.G./O.G./

MACH MIT

Wenn Ihr Interesse zur Aufnahme in den Kulturprozent-Verteiler  habt, dann schreibt bitte eine entsprechende eMail an: kulturprozent@kulturstadt-dresden.de. Ihr werdet dann über Fortschritte im Prozess und die kommenden Treffen informiert.

Strategiepapier

1. Die Idee und ihr Hintergrund
Die neu gegründete Initiative KulturProzent reagiert auf die veränderte Akteurs-Situation in der Dresdner Kulturlandschaft und setzt mit einer beispielhaften Idee ein Zeichen:

Ein Prozent des Kulturhaushaltes der Landeshauptstadt Dresden soll in einen neuen Fonds fließen, aus welchem neue, zum Teil noch ungeförderte Kulturinitiativen, Kunstprojekte und Künstler unterstützt werden. Die etablierte und bewährte Kultur soll weiterhin mit 99% der Mittel ihren gewachsenen und wertvollen Beitrag zur Dresdner Kulturlandschaft leisten.

Derzeit gibt die Landeshauptstadt jährlich circa 70 Millionen Euro für die Förderung ihrer Kulturlandschaft aus. Diese Mittel werden nahezu komplett an klassische und etablierte Kulturbetriebe verteilt. Innovative, junge Künstler und Kulturinitiativen können dagegen meist nur in Form der so genannten Projektförderung mit verschwindend geringen finanziellen Mitteln ausgestattet werden. In diesem Zusammenhang sei auch auf die seit langem fehlenden Mittel der Atelierförderung für bildende Künstler hingewiesen. Das Ungleichgewicht zwischen Vorhandensein und Anzahl engagierter neuer Kunst- und Kulturprojekte und den (nicht) vorhandenen Geldern in der Förderung der Landeshauptstadt Dresden nimmt zu. Der Bedarf ist groß – allerdings schwer wahrnehmbar. Im Gegensatz zu den großen Kultureinrichtungen der Stadt, deren Vertreter medienwirksam über negative Konsequenzen der Einsparungen in ihren Institutionen berichten, haben die vielen kleinen Vereine, Initiativen und Einzelkünstler der freien Szene, keine gewichtige Stimme, die ihre Interessen in der Öffentlichkeit und gegenüber der Politik artikuliert. Ohne Lobby, sind Interessen nicht wirksam zu vertreten.

Die Initiative KulturProzent ist ein Zusammenschluss vieler unterschiedlicher Kulturvereine, Initiativen von Einzelkünstlern und Künstlergruppen und sieht sich als Interessenvertreter und Sprachrohr der freien Kunst- und Kulturszene Dresdens.

Ziel ist es, einen Weg zur Verbesserung der finanziell hochprekären Situation des kreativen Nachwuchses aufzuzeigen. Schon eine relativ geringe Unterstützung von kommunaler Seite erhöht die Chancen weiterer Mittelakquise für die einzelnen Projekte, sei es mittels Sponsoring oder Kofinanzierung mit anderen öffentlichen Mitteln. Dresden sollte ebenfalls die motivierenden Effekte einer städtischen Förderung der Akteure für die künftige positive Entwicklung der Kulturstadt berücksichtigen.

Natürlich wäre es die optimale Lösung, den Kulturetat insgesamt aufzustocken. Angesichts der damit verbundenen Schwierigkeiten ist es jedoch an der Zeit eine Umschichtung innerhalb des Kulturbudgets anzugehen - freilich unter Erhalt bewährter Strukturen. Ohne Neiddebatten auszulösen, setzt der 1%-Vorschlag dem „Kampf um die Kulturgelder“ den Solidaritätsgedanken entgegen. Bei kleinstem Entgegenkommen der größeren Institutionen,  könnten so große Wirkungen in der freien Kulturszene erzielt werden.

2. Was soll gefördert werden?

  1. Bestehende, nicht kontinuierlich kommunal geförderte Kulturprojekte sollen anteilig mit einer Sockelfinanzierung gesichert werden, um Kofinanzierung, Antragstellung und Kontinuität der Arbeit abzusichern. Laut bestehender Förderrichtlinie kann dies mittels einer institutionellen Förderung – befristet jeweils auf ein Jahr – erfolgen. (Richtlinie der Landeshauptstadt Dresden zur kommunalen Kulturförderung vom 15. April 1999) Um eine kurzfristigere Antragstellung zu ermöglichen, sollte abweichend von der Richtlinie lediglich der Antragstermin auf den 30.10. des Vorjahres festgelegt werden. Die bisherige Frist (30. April)) setzt eine langfristige Planung voraus, die von den flexiblen Strukturen der freien Szene nicht zu leisten ist.
  2. Neue Projekte, die nicht durch etablierte Antragsteller vertreten werden, sollen die Möglichkeit der Projektförderung erhalten. Insgesamt muss die zur Verfügung stehende Summe zur Projektförderung wesentlich erhöht werden, um die kulturelle Vielfalt der Stadt adäquat zu fördern. Die Antragstermine der Förderrichtlinie können beibehalten werden.
  3. Kleinstprojekte sollen im Laufe des Jahres flexibel, das heißt kurzfristig gefördert werden. Hierfür scheint eine vierteljährliche Vergabe sinnvoll.
  4. Durch spezielle Förderaufrufe unter jeweils einem förderpolitisch relevanten Thema sollen spartenübergreifend einzelne innovative und ambitionierte Kunst- und Kulturprojekte mit einer relativ hohen Summe (mind. 10.000 Euro) einmalig gefördert werden. Durch diese Vergabepraxis können einzelne Projekte unterstützt werden, die für die Entwicklung der Dresdner Kunst- und Kulturszene beispielhaft sind. Das Thema wird dabei vom Kulturamt vor- und zu Beginn des Vorjahres bekannt gegeben. Antragsschluss  ist jeweils der 31. Mai.

3. Wie soll das Geld verteilt werden?

Die bisherige Vergabe der Kulturförderung krankte nicht an der Umsetzung, sondern an den zu knapp zur Verfügung stehenden „ungebundenen“ Mitteln. Deshalb soll auch mit Blick auf die bestehenden Ressourcen und Erfahrungen des Kulturamtes, für die Punkte 1 und 2 das übliche Vergabeverfahren der Stadt Dresden, bestehend aus Kulturamt, Projektgruppe, Kulturbeirat und Kulturausschuss, beibehalten werden. So bleibt die gemeinderechtlich verankerte Hoheit der Mittelverteilung in den Händen der Landeshauptstadt Dresden.

Für die Punkte 3 und 4 wird eine andere Vergabepraxis angestrebt. Eine Jury aus unbefangenen (also selbst nicht beantragenden) Kunst- und Kulturschaffenden entscheidet über die Vergabe der Fördermittel. Die Diskussion um die Kleinstprojekteförderung erfolgt vierteljährlich in öffentlicher Sitzung. Ein Sitzungstermin beinhaltet auch die Bekanntgabe und Begründung des „Gewinnerprojektes“ des Schwerpunktthemas aus Punkt 4. Die Jury besteht aus freiwilligen Mitgliedern der verschiedenen Sparten der  Kunst- und Kulturszene und wird jährlich neu ausgeschrieben. Anträge werden beim Kulturamt gestellt, welche diese an die Jury weiterleitet. Eine Zuordnung der Anträge in Sparten scheint hierbei nicht mehr zeitgemäß, da sehr viele Projekte unterschiedlichste künstlerische Mittel verknüpfen. Die Organisation dieser Vergabeinstrumente sowie die Berufung der  Jurymitglieder kann durch das Kulturamt oder einen beauftragten Verein erfolgen.

Download des Strategiepapieres

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